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Klein- und Großhusums

Der Name Husums mutet ein wenig merkwürdig an, noch mehr, wenn man sich die Bedeutung der Wortbestandteile „Hus“ und „ums“, Haus und Heim betrachtet. Gemeint ist damit wohl „eine Ansammlung von Höfen“. Und dies ist es wohl auch: Heute sind dies insgesamt 5 Höfe im äußersten Süden des Gemeindegebietes, verteilt auf zwei Teile, Großhusums im Osten und Kleinhusums im Westen. Die Volkszählung 1861 weist hier 44 Personen auf 6 Höfen aus. Schon lt. Weinkaufs-Protokollen, einer Dokumentation der meisten Hofübertragungen im Amt Esens vom 16.-18. Jahrhundert, sind hier durchgehend 5 Höfe verzeichnet.

Da adelige Besitzungen darin nicht erfasst sind, fehlt ein Hof, der in der Nähe des Higgenschen Hofes in Großhusums lag und Ende des 19. Jahrhunderts wohl aufgegeben wurde und die Hofstelle vollständig beseitigt wurde, so dass heute nichts mehr von ihr zu sehen ist.
Dabei hat sie eine interessante Geschichte aufzuweisen:
Ursprünglich ca. 27 ha groß,  werden dem Besitz 1660 gewisse adelige Freiheiten beigelegt. Begünstigter ist ein Caspar Erich von Stechow, Drost, also hoher Verwaltungsbeamter,  in Aurich. Der eigentliche Stammsitz der Familie Stechau liegt dabei bei Herzberg (Elster) im äußersten Südwesten Brandenburgs (heute Kreisstadt im Landkreis Elbe-Elster). Die Familie dürfte über Anwerbungen des ostfriesischen Grafenhauses ins Land gekommen sein.
Zu jener Zeit war es Sitte, zur Versorgung verdienter Beamter, Höfe im gräflichen Besitz mit Freiheiten von steuerlichen Verpflichtungen, aber auch freien Rechten z.B. zum Jagen zu versehen. Ein Vertreter der Familie taucht später, um 1740, auch als Drost in Esens auf.
Letzter Bewirtschafter des heute verschwundenen Hofes dürfte ein Peter Becker Dirks (1810-1881), verheiratet mit Elsche Maria Janssen (1819-1902), gewesen sein. Von sieben Kindern hat nur eines das Erwachsenenalter erreicht: Friederike Henriette Dirks (1852-1876). Diese war verheiratet mit Bernhard Peters Janssen (1846-1884), Landwirt auf dem nahe gelegenen Hof in Kapelle. Beide sind früh verstorben (24 und 38 Jahre alt). Soweit ein kleiner Ausflug in die Familienforschung!

Quelle:
Balthasar Arends, Landesbeschreibung vom Harlingerland, 1684, Reprint und Bearbeitung Heinrich Reimers 1930, Neuauflage 1993, S. 122
Heyko Heyken, Weinkaufsprotokolle des Amtes Esens 1554-1811, Aurich 1998
Ludwig Janssen, Ortssippenbuch Werdum (2 Bände), Aurich 1975, Nr. 1116
Arend Remmers,  Von Aaltukerei bis Zwischenmooren, S. 85, 125, Schuster Leer 2004
Günter Peperkorn,  Werdum – Aus der Geschichte eines Marschendorfes, S. 17f., Thunum 2003
Regemort-Karte 1670

Die Regemort-Karte von 1670. Kartenausschnitt aus der Regemort-Karte 1674. Der ehemals adelige Hof ist umkreist, links die Kleinhusumser Höfe.
Die Regemort-Karte von 1670. Kartenausschnitt aus der Regemort-Karte 1674. Der ehemals adelige Hof ist umkreist, links die Kleinhusumser Höfe.